Morpheus Quartet

REVIEW

"Wenn ein Mitglied des Quartetts im Programmheft bekennt, daß es nicht "Ziel sei, die Musik streifenfrei sauber zu spielen", dann lohnt es sich, genau hinzuhören. Das Streichquartett von Claude Debussy (1862-1918) überrascht mit dramatischen Ballungen. Kein impressionistisches Flirren und Weben, kein Ausbreiten formloser Klangflächen. Sondern klare Konturen, dramatische Zuspitzungen, atemloses Schreiten durch kühne Harmonik.

Das ist eine aufregende Sichtweise, bei der nicht geglättet, nichts verharmlost wird. Am ehesten nocht in den Mittelsätzen beruhigt sich die Atmosphäre, mehr im spannungsvollen Andantino mit seiner weit ausgespannten, elegischen Stimmung, weniger in der nervösen Rhythmik des zweiten Satzes mit den rau angerissenen Pizzicati.

Da kommt bestimmt auch Beethoven (1170-1827) mit seinem Streichquartett F-Dur op.18 Nr.1 nicht ungerupft davon. Und richtig: hinter dem harmlosen Auftaktthema brodelt die Unruhe, kaum gemildert durch die lyrische Fortspinnung. Nur gelegentlich eingeschobene Pausen geben dem Hörer Zeit zum Atemholen.

Im Adagio ist es weniger temporeiche Dramatik als klagender Schmerz, mit dem die vier Künstler aufhorchen lassen. Doch der wird unterfüttert mit feinstem Pianissimo. Da stehe Gegensätze nebeneinander: Fragen, Nachdenklichkeit, Aufbegehren. Hektische Betriebsamkeit mit schroffen Akzenten erfüllt das Scherzo, und das Rokoko-Motiv des Finales erweist sich in der Sichtweise der Morpheus-Streicher fast wie ein kaum gebändigter Angstschrei.

Schließlich Anton Dvoráks (1841-1904) "Amerikanisches Quartett" F-Dur op.96. Seine an der amerikanischen Volksmusik orientierte reifste Kammermusikschöpfung präsentieren die vier Musiker erstaunlicherweise in reinem Wohlklang, ohne in pure Sentimentalität zu versinken. Das "Lento" wirkt wie eine Huldigung auf das weite Land, das "Molto Vivace" ist weniger wild als filigran durchgeformt und der Abschluss kommt tänzerisch daher. Bravos und viel Applaus!"



"... dieser Esprit vom Morpheus Quartett so voller Elan und differenzierten Sinn für das Detail gestaltet... Die vier Musiker verstanden es bestens, die Intentionen Ravels ... Dramatisch und klangschwelgend, überzeugte kammermusikalischen Edelstein."




"die Morpheus Formation bot ein in klassicher Strenge gebändigtes Szenario von Leidenschaft und Emotion, koloriert in glühend leuchtender Farbigkeit ... mal satt ausgestrichen, dann wie mit zartem Pinsel koloriert...die Top-Instrumentalistin aus Südkorea mit tiefer Leidenschaft und eruptiver Dramatik. Viel Applaus des begeisterten Publikums."




"Sie nennen sich nach dem griechischen Gott des Traumes - doch zum Einschlafen lud der Konzertabend mit dem Morpheus-Quartett nun wirklich nicht ein, Ganz im Gegenteil, die vier Ausnahme-Streicher aus Berlin spielten so leidenschaftlich und impulsiv, daß so mancher Bogen Haare lassen mußte und auch das Wohl der zeitweise energisch gezupften Saiten ernsthaft gefährdet war ... Da passte einfach alles - lupenreine Intonation bis in höchste Höhen, punktgenaues Zusammenspiel, filigrane Pianissimo-Passagen und kraftvolle dramatische Ausbrüche ... Besonders zu erwähnen seien an dieser Stelle die wunderbar singende Violine MinJung Kangs ... und das schier atemberaubende Tempo des hochdramatischen Finales. Bravo!"